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19.03.2010

Gerhard Polt & die Biermösl Blosn in der "Alten Schweißerei"

 

Was für ein Abend..!

 

www.polt.de

www.biermoesl-blosn.de

 

Der Donaukurier schreibt am 21.03.2010

 

"Mixa-mäßig" und albern

 

Bad Hausen ist offensichtlich nicht sehr weit weg von Schrobenhausen. Bad Hausen, das ist der Ort, wo Gerhard Polt und die Biermösln Blosn auf ihrer Jubiläumstournee ihre Geschichten spielen lassen. Und wie! Auch in Bad Hausen gibt es einen Drexler-Toni, auch wenn der nicht wie in Schrobenhausen humanitärer Helfer ist, sondern Kreisheimatpfleger. Es gibt einen Ortsteil namens Ried – nicht zu verwechseln mit Riad –, quasi "eine Art Hörzhausen, nur mit Glockenläuten". Und es gibt in Bad Hausen Kommunalpolitiker, die viel zu lange Reden halten, auch wenn sie sagen, dass sie keine langen Reden halten wollen. Fast wie im richtigen Leben. Apropos Kommunalpolitiker: Bürgermeister Stephan wäre wahrscheinlich glücklich gewesen, wären beim städtischen Neujahresempfang annährend so viele Stadträte gewesen wie am Freitag in der Bauer’schen Schweißerei. Sie alle erlebten, wie Gerhard Polt und die Biermösl Blosn ihr Publikum in der restlos ausverkauften Halle in ein Bayernland mitnahmen, wie es sich wahrscheinlich viele im Grunde ihres Herzens wünschen: wo die Welt abgesehen von den üblichen kleinen Mauscheleien und Überhöhungen noch in Ordnung ist, wo die Helden Hund’ sind, wo mit einer Prise Selbstironie alles halb so schlimm ist. Eigentlich ist das alles nichts Besonderes, was die Vier hier machen: Ein bisserl Volksmusik, ein wenig Standup-Comedy. Aber so perfekt, so brillant auf den Punkt gespielt, dass sich die Leute im Saal ein ums andere Mal vor Lachen wegschmissen. Weil sie so schön böse sind, die vier Herren in den besten Jahren zwischen 50 und 68, da oben auf der Bühne. Der größte Standortvorteil Bad Hausens sei es, dass das nächste Asylantenlager 48 Kilometer weit weg ist, sagt Polt. Und dies: "Mal angenommen es gäbe eine Landesbank in Bayern und einmal angenommen, man würde dort 3,7 Millionen Euro einfach verheizen, das würde ein Loch reißen . . . . was sage ich . . . ein Loch hat ja einen Rand." Er und die Biermösler, sie hatten ihre Hausaufgaben gemacht und sich gut über Schrobenhausen informiert, denn sie waren ja lange nicht mehr da, wie Hans Well richtig feststellte, "genau genommen noch nie." Trotzdem sangen sie über das Spargelstechererwartungsland, wo die Goachattrasse durch das FFH-Paradies getrieben werden soll, und das von Dörfern umgeben ist, die so schwarz sind, dass die Menschen dort selbst bei Vollmond noch Schatten werfen. Und was sie alles auffuhren: dass es da einen Bürgermeister gäbe, der so lange über einen Bebauungsplan abstimmen lässt bis aus der Abstimmung eine Zustimmung geworden ist. Die Schließung "von Gritschenbräu im letzten Quartal", behaupten sie, war "eine schlechte Nachricht für Spalt und Togal". Und schließlich sangen sie von einer Bezirksrätin, die angeblich noch nicht weiß, dass "zur Heimatliebe auch das Sanieren denkmalgeschützter Gebäude gehört". Tosender Applaus im Saal. Polt und die Biermösler – seit vielen Jahren sind sie ein eingespieltes Team, auch in Schrobenhausen, vor allem, seit der Senior der Truppe auch ein Instrument spielt, das Regengeräusche macht. Polt. Ehrlich, dass es wehtut. Albern, dass es einen schier zerreißt. Wenn er den spanischen Flamenco-Sänger gibt, begleitet von diesen sensationellen Musikern des Münchner Philharmonie, dann bleibt kein Auge trocken. Dann fistelt er in päpstlichem Italienisch etwas von "dolci bambini inflagranti" – und der für den nächsten Tag angekündigte Hirtenbrief ist in Schrobenhausen beinahe schon vorweggenommen. Zwischen unfassbaren Alphornsoli und artistischen Schuhplattler-Einlagen gibt es Philosophie pur: "Zwengs wos soll i mir a Diabetes anfressn, wenn ich’s mir auch ansaufen kann" Angesichts so viel Tiefsinns ist klar, wohin der nächste Ausflug geht: nach Bad Hausen, wo die Heilkraft von Algundas Schlüsselbein wartet und wo das Weihwasser Härtegrad fünf hat – also hart, oder wie man an diesem Abend erfährt: "Bischof-Mixa-mäßig". Klar, dass die fantastischen Vier nicht ohne Zugabe von der Bühne dürfen. Als sie sich dann doch verabschieden, sind die Zuschauer um einiges schlauer. Unter anderem kennen sie sich jetzt auch darin aus, wie das Kammerfensterln im Donaumoos funktioniert. Nämlich überhaupt nicht.

 

Von Mathias Petry